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Startseite  Vorbereitung in Unternehmen: JI / CDM
Chancen durch CDM und JI im Rahmen der CO2-Erfüllungsstrategie

Mit Versendung der Zuteilungsbescheide im Dezember 2004 wurden den zur Teilnahme am Emissionshandel verpflichteten Unternehmen ihre CO2 Kontingente für die erste Handelsperiode 2005-2007 mitgeteilt. Damit müssen die Unternehmen die kommenden 3 Jahre haushalten. Benötigt ein Unternehmen nicht die gesamte Menge kann es die Überschüsse verkaufen. Reicht das zugeteilte Kontingent hingegen nicht aus, muss es entweder zusätzliche Zertifikate auf dem Markt erwerben oder den Emissionsausstoß senken.

Im Rahmen des EU Burden Sharing hat sich die Bundesregierung zu einer Reduktion des CO2 Ausstoßes von 21 % verpflichtet. Um dieses Ziel zu erfüllen, wird Deutschland den CO2 Ausstoß gegenüber dem heutigen Stand weiter reduzieren müssen (aktuelle Reduktion ca.18 %). Diese Pflicht wird u.A. an die Unternehmen der Energiewirtschaft und Industrie weitergereicht. Für zahlreiche Unternehmen bedeutet dies eine Minderausstattung mit Emissionszertifikaten. Die möglichen wirtschaftlichen Folgen sind in nachstehender Tabelle für Unternehmen mit niedrigem, mittleren und hohem CO2 Ausstoß veranschaulicht:

 

Wie in obiger Tabelle beispielhaft dargestellt, kann eine Minderausstattung mit Emissionszertifikaten zu erheblichen Kosten in der ersten Handelsperiode 2005-07 führen. Mit steigenden Kosten gewinnt die Entwicklung einer Strategie zur wirtschaftlich optimierten Erfüllung der Emissionsvorgaben an Bedeutung. Hierzu stehen folgende grundsätzliche Möglichkeiten zur Verfügung: Handel mit Emissionsrechten, Emissionsreduktion sowie CDM und JI Projekte. Unter Berücksichtigung der Planungssicherheit, Flexibilität und Kosten kann eine Kombination dieser Maßnahmen vorteilhaft sein.

 

Handel mit Emissionsrechten

Das Schließen der CO2 Deckungslücke über den Kauf von Zertifikaten auf dem Markt, ist die einfachste Form der Erfüllung der Emissionsvorgaben. Der Aufwand ist gering und das Unternehmen kann kurzfristig auf Veränderungen der eigenen Emissionsbilanz reagieren. Dem steht eine hohe Prognoseunsicherheit der Marktpreise und somit hohe Preisrisiken gegenüber. Die Planungssicherheit ist gering und im ungünstigsten Fall muss jährlich Geld für den Erwerb der Zertifikate aufgewendet werden.

 

Emissionsreduktion

Die Emissionsreduktion als Maßnahme zur Erfüllung der Emissionsvorgaben erfordert die Berücksichtigung von Vorlaufzeiten, Abschreibungs- bzw. Restlebensdauer bestehender Anlagen sowie die Verfügbarkeit von Kapital. Weitere Parameter sind die Vereinbarkeit mit der Unternehmens- und Investitionsplanung sowie die Veränderung der Betriebskosten. Als langfristig angelegte Maßnahme profitiert das Unternehmen von einer hohen Planungssicherheit. Allerdings kann die Emissionsreduktion nicht alleine unter dem CO2-Gesichtspunkt betrachtet werden. Vielmehr ist es eine zentrale Komponente im Rahmen der optimierten technisch-wirtschaftlichen Energiebereitstellung.

 

CDM und JI - Projekte

Hinter den Flexiblem Mechanismen CDM (Clean Development Mechanism) und JI (Joint Implementation) steht die Idee, dass der Treibhauseffekt ein globales Problem darstellt und es von untergeordneter Bedeutung ist wo die Emissionen gesenkt werden. Vordergründig ist das Ziel, dass eine Reduktion zu den spezifisch geringsten Kosten stattfindet.

Bei einem CDM-Projekt engagiert sich ein Unternehmen aus einem Industrieland bei einem Projekt in einem Entwicklungsland. JI Projekte hingegen sind Projekte in anderen Industriestaaten bzw. Transformationsländern (z.B. osteuropäische Staaten). Die erfolgreiche Registrierung einer Maßnahme als CDM- oder JI Projekt ist verbunden mit einer umfassenden Dokumentation (PDD – Project Design Document), vergleichbar mit einem Genehmigungsantrag. Dabei werden hohe Anforderungen an den Nachweis der Zusätzlichkeit (Additionality) gestellt. Hierbei ist zu belegen, dass das Projekt nicht ohnehin durchgeführt worden wäre. Des weiteren sind die Vorgaben des Gastlandes an die nachhaltige Entwicklung zu berücksichtigen. Die Dokumentation eines Projektes unterliegt der externen Prüfung und Zustimmung durch eine Prüfgesellschaft (DOE – Designated Operational Entity) sowie durch die relevanten Behörden des Gastlandes und Investorlandes. Bei CDM Projekten erfolgt zusätzlich eine Prüfung durch das oberste CDM-Gremium (EB – Executive Board). Die Gutschriften aus den Emissionsreduktionsprojekten können 1:1 in Zertifikate des EU-Emissionshandelssystems umgewandelt und somit zur Erfüllung der eigenen Verpflichtungen genutzt werden.

 

Emissionsreduktion

Die erzielte Emissionsreduktion resultiert aus der Gegenüberstellung der Emissionen eines Projektes und der lokalen Emissionssituation (Baseline). Die Baseline ist von der lokalen bzw. nationalen Wirtschaftsstruktur abhängig und variiert von Land zu Land. Ein Windpark würde beispielsweise in einem Land, mit einem hohen Kohlekraftwerksanteil zu einer höheren Emissionsreduktion führen als in einem Land mit vorwiegend Gaskraftwerken.

 

Chancen und Risiken

CDM bzw. JI Projekte können eine finanziell interessante Alternative bei der Erfüllung der Vorgaben im Rahmen des EU-Emissionshandels darstellen. Aufgrund der jeweiligen Projektrisiken sind die Zertifikate günstiger (20-50%) als Zertifikate aus dem europäischen Emissionshandelssystem. Typische Risiken sind: Projekt wird nicht zertifiziert bzw. registriert, verwendete Baseline wird nicht akzeptiert, in Baseline-Studie ermittelte Emissionsminderungen werden nicht erreicht, prognostizierte Produktionszahlen werden aufgrund geringer Auslastung der Anlage nicht erfüllt, Zertifikate werden durch das Gastland nicht übertragen, usw. Da einige dieser Risiken mit Fortschritt des Projektes sinken ist der Zeitpunkt, an dem der Abnahmevertrag der Zertifikate (ERPA – Emission Reduction Purchase Agreement) geschlossen wird bedeutsam: je früher das Projektstadium, desto günstiger die Konditionen.

Da im Rahmen der Projekte moderne und effiziente Technologien zum Einsatz kommen, sehen einige Länder in den Flexiblen Mechanismen CDM und JI große Chancen für die Modernisierung und Weiterentwicklung der eigenen Wirtschaft. Vor diesem Hintergrund haben sie für die Durchführung der Projekte günstig Randbedingungen etabliert. Hierzu gehören insbesondere Bulgarien, Brasilien und Indien.

 

Wie können Unternehmen CDM und JI nutzen?

Unternehmen die im Rahmen Ihrer Geschäftstätigkeit ohnehin in CDM bzw. JI Ländern tätig sind, haben günstige Möglichkeiten die Flexiblen Mechanismen zu nutzen. Hierzu gehören:

  • Durchführung eigener CDM- / JI-Projekte, z.B. bei Standorten des eigenen Unternehmens im Ausland
  • Investition in CDM- / JI Projekte anderer, z.B. im Rahmen eines Verbundes mehrerer Unternehmen

Unternehmen die vorwiegend oder ausschließlich auf dem deutschen Markt tätig sind, wie z.B. die meisten EVUs, haben die Möglichkeit, lediglich die Zertifikate aus CDM- / JI Projekten zu erwerben. Damit können sie von den Preisvorteilen profitieren, ohne dass Investitionen gebunden sind.

Entscheidet sich ein Unternehmen im Rahmen der eigenen Erfüllungsstrategie Zertifikate aus CDM / JI Projekten zu nutzen sollten bei der Strategieentwicklung die Vorlaufzeit für Dokumentation, Registrierung, Planung, Umsetzung und Ausschüttung berücksichtigt werden.

 

Fazit

Ausgangslage für die Entscheidung zur Teilnahme an CDM und JI sind die eigenen Fehlmengen an Emissionszertifikaten. Sind diese sehr gering würde einer Einsparung beim Zertifikatekauf ein unverhältnismäßiger organisatorischer Aufwand gegenüberstehen. Bei größeren Fehlmengen hingegen kann es strategisch vorteilhaft sein, die Erfüllung der Emissionsvorgaben auf mehrere Maßnahmen aufzuteilen. CDM- und JI Projekte können dabei eine günstige Alternative darstellen.