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| Alternativen zur Beschaffung von CO2 Zertifikaten aus CDM und JI Projekten |
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Im Hinblick auf die Erfüllung der CO2 Reduktionspflichten gewinnt die Beschaffung von Zertifikaten aus CDM- und JI Projekten zunehmend an Bedeutung. Zertifikate aus CDM-Projekten heißen CERs (Certified Emission Reductions) und können ab 2005 generiert werden. Zertifikate aus JI Projekten werden als ERUs (Emission Reduction Units) bezeichnet und können ab 2008 generiert werden. CERs wie auch ERUs können direkt und 1:1 für die Pflichterfüllung im EU Emissionshandel eingesetzt werden und sind somit gleichwertig wie die EU-Zertifikate (EUAs - EU Allowances).
Treibende Kraft für den Einsatz von CERs und ERUs ist die Preisdifferenz gegenüber den EUAs: im EU Emissionshandel kostet die Tonne CO2 zwischen 21 und 24€. Damit ist das Preisniveau mehr als doppelt so hoch wie das der CERs und ERUs, die, je nach Projektfortschritt und Risikoprofil des Projektes, für 8-12 €/t CO2 erworben werden können.
CERs haben, gegenüber den im Rahmen des EU Emissionshandels zugeteilten Emissionsberechtigungen zudem den Vorteil, dass sie von 2007 nach 2008 übertragen werden können. Da die zugeteilten EUAs nur in der ersten Handelsperiode 2005 bis 2007 gültig sind und dann “verfallen”, wird eine Optimierung gegen Ende der ersten Handelsperiode erforderlich sein: Überschüsse zum richtigen Zeitpunkt zu verkaufen um ein möglichst hohes Preisniveau zu erzielen oder den eigenen Bedarf zu möglichst günstigen Konditionen zu decken oder Reserven für unvorgesehenes zu halten. Letzteres betrifft insbesondere Fernwärmeversorger, da die Außentemperatur im Winter eine unkalkulierbare aber bedarfsbeeinflussende Größe ist. Das Verhalten der Marktteilnehmer wird bestimmt durch die eigene Erwartung an die Entwicklung des Marktpreises gegen Ende der ersten Handelsperiode. Mögliche Szenarien sind:
- ein hohes Preisniveau, weil viele Unternehmen bis zum “Schluß” gewartet haben, um sich mit den erforderlichen Zertifikaten einzudecken oder
- ein niedriges Preisniveau weil zurückgehaltene Überschüsse auf den Markt gebracht werden und die Nachfrage aufgrund der noch verbleibenden kurzen Einsetzbarkeit gering ist.
CDM und JI können auf vielfältige Weise genutzt werden. Dabei hat ein Unternehmen die Möglichkeit sich entweder direkt an einem konkreten Projekt zu beteiligen oder sich bei einem Carbon Fond zu engagieren. Bei der direkten Beteiligung wird die unilaterale und die bilaterale Investition unterschieden.
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| Unilaterale Investition |
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Bei der Variante „unilaterale Investition“ erfolgt die Investition in eine Emissionsreduktionsmaßnahme direkt durch ein lokales Unternehmen. Dieses schließt mit dem Käufer (Unternehmen aus Industriestaat) einen Vertrag über die Abnahme von Zertifikaten ab. Dieser Vertrag wird Emission Reduction Purchase Agreement (ERPA) genannt. Der Begriff leitet sich von dem bei Kraftwerksprojekten verwendeten Begriff Power Purchase Agreement ab. Das Unternehmen aus einem Industriestaat erwirbt lediglich die Zertifikate und kann damit von den Preisvorteilen profitieren, ohne dass Investitionen gebunden sind. Dieses Modell ist besonders interessant für Unternehmen, die vorwiegend oder ausschließlich im Deutschland tätig sind, wie z.B. die meisten EVUs. Weil durch das Unternehmen aus dem Industriestaat keine Investitionen getätigt werden, ist dieses Modell weniger risikohaft gegenüber Investitionsprojekten. Im „worst case“ kann das Projekt keine Zertifikate liefern, so dass diese für die Pflichterfüllung im Rahmen des EU Emissionshandels kurzfristig anderweitig, zu einem deutlich höheren Preis beschafft werden müssten. Das monetäre Risiko ist dann die nicht genutzte Preisdifferenz zwischen den CERs / ERUs und den EUAs. Um die möglichen Projektrisiken einzuschätzen und zu quantifizieren und eine Grundlage für die Verhandlung des Abnahmepreises vorzubereiten, sollten die CDM / JI Projekte vorab im Rahmen einer Due Diligence geprüft werden. Neben den vielfältigen CDM- und JI spezifischen Aspekten sind insbesondere folgende Aspekte bedeutsam:
- Welche Erfahrungen mit der einzusetzenden Technologie liegen vor und wie ist die technische Konzeption zu bewerten?
- Gibt es besondere Risiken für den Einsatz der Technologie im Gastland, z.B. Versorgung mit Ersatzteilen oder besonders hohe Anforderungen an Betrieb und Wartung?
- Ist unter Berücksichtigung der Randbedingungen und Projekterfahrungen im Gastland der Ansatz für die Verfügbarkeit der Anlage bzw. die Betriebsstunden pro Jahr realistisch ?
- Ist der Terminplan für die Umsetzung der Maßnahme realistisch ?
- Ist der Inbetriebnahmezeitpunkt realistisch?
- Als wie kompetent werden die Vertragspartner im Hinblick auf die erfolgreiche Realisierung des Projektes erachtet?
Die Nachfrage nach dem Projektmodell „unilaterale Investition“ ist deutlich höher als deren Verfügbarkeit. Im Hinblick auf die Projektrecherche sowie die Kommunikation mit den „Projektbesitzern“ ist eine Zusammenarbeit mit einem lokalen Unternehmen, zu dem eine Vertrauensbasis besteht, empfehlenswert.
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| Bilaterale Investition |
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Eine weitere Variante zur Beschaffung von Zertifikaten aus CDM und JI Projekten ist die „bilaterale Investition“. Dabei erfolgt die Investition durch ein Unternehmen aus einem Industrieland: z.B. ein Zementunternehmen, Chemieunternehmen oder EVU aus Deutschland investiert in eine Maßnahme zur Emissionsreduktion bei einer Niederlassung in einem CDM / JI-Land. Die Erstellung der CDM bzw. JI Projektdokumentation sowie der Weg bis zur Anerkennung des Projektes im Rahmen des CDM / JI erfolgen dabei in „Eigenregie“. An dieses Unternehmen werden dann auch die zertifizierten Emissionsreduktionseinheiten ausgeschüttet. Die Zertifikate werden typischerweise zur Erfüllung der eigenen Emissionsreduktionspflichten im Rahmen des EU-Emissionshandels genutzt. Sollten überschüssige Zertifikate generiert werden, können diese auf dem Markt verkauft werden. Für diese Projektmodell entscheiden sich üblicherweise Unternehmen, die über eigene Niederlassungen in CDM oder JI Ländern verfügen oder Interesse an neuen Märkten bzw. am Ausbau der Auslandsaktivitäten haben.
Bei Finanzinstituten ist derzeit ein zunehmendes Interesse an der Finanzierung von CDM und JI Projekten zu beobachten. Diese könnten sich beispielsweise an Projekten beteiligen, bei denen ein Interessent für den Erwerb der Zertifikate durch ein Unternehmen aus einem Industriestaat bereits existiert, für die Investition allerdings noch Kapital benötigt wird.
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| Carbon Fonds |
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Carbon Fonds bieten eine weitere Möglichkeit zur Nutzung von CDM und JI. Vertragspartner sind der Fondteilnehmer (z.B. Unternehmen mit Zertifikatebedarf) und der Carbon Fund. Der Vertrag beinhaltet u.a.: Spezifikation der Projekttypen, Spezifikation der Projektländer, Vereinbarung über den maximalen Einkaufspreis der Zertifikate, Vereinbarung über den Lieferzeitpunkt. Dieses Modell ist interessant für Unternehmen die die CO2 Beschaffung vollkommen outsourcen wollen, CDM oder JI nicht im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit nutzen wollen oder das Fondengagement als Finanzanlage betrachten. Insbesondere letzteres nimmt aktuell zu. Die Aufgaben der Carbon Fonds beinhalten:
- Akquisition von Fondteilnehmern
- Identifizierung und Prüfung geeigneter Projekte
- Verhandeln der CO2 Bezugskonditionen mit den Projekteigentümern
- Unterzeichnung des CO2 Abnahmevertrages mit dem Projekteigentümern
- Aktive Portfolioverwaltung
- Ausschüttung der Zertifikate (oder Gewinnbeteiligung) an die Fondteilnehmer
Die Finanzierung der Carbon Fonds erfolgt wie bei Aktienfonds über Gebühren. Im Vorfeld zur Geldeinlage bei einem Carbon Fond ist empfehlenswert die Fonds anhand einer umfassenden Kriterienliste einander gegenüberzustellen und zu bewerten, so dass die Kaufentscheidung auf einer dokumentierten und begründeten Basis erfolgen kann. Vergleichsgrößen sind z.B.:
- Länder und Regionen
- Projektarten und Technologien
- Gebühren
- Investitions- und Lieferzeitpunkt
- Handhabung von CDM / JI - und projektspezifischer Risiken
- Liefergarantien
- Transparenz und Mitsprachemöglichkeiten bei Kaufentscheidungen
Auch Fonds sehen sich vielfach mit der Situation konfrontiert, dass einer großen Geldmenge eine unzureichende Anzahl qualitativ hochwertiger Projekte gegenübersteht.
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| Weltweite Nachfrage nach Zertifikaten |
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Aktuell stehen weltweit ca. 2 Mrd € zum Kauf von Emissionszertifikaten bereit. Tendenz steigend. Bei einem Preis von 8 €/t CO2 entspricht dies 250 Mio. t CO2. Auf internationale Ebene konkurrieren einerseits die EU Staaten untereinander und andererseits noch zusätzlich Japan und Kanada um CDM und JI Projekte bzw. die Zertifikate daraus. Von zahlreichen Staaten werden auf nationaler Ebene für die Beschaffung von Zertifikaten vielfach Fonds aufgelegt. Vordergründiges Ziel ist die eingegangenen Verpflichtungen im EU-Burden Sharing oder Kyoto Protokoll zu erfüllen.
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Darüber hinaus werden Fonds zunehmend von privaten Investoren als Finanzanlage entdeckt. Dabei steht weniger die tatsächliche Lieferung von Zertifikaten im Vordergrund als vielmehr das Erzielen attraktiver Renditen. Weltweit entsteht ein riesiger Markt für Emissionsreduktionsmaßnahmen. Technologien und Projekte die zu einer Emissionsreduktion führen erfreuen sich daher einer zunehmenden Beliebtheit und Nachfrage.
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| Fazit |
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Zur Beschaffung von Zertifikaten aus CDM und JI Projekten gibt es vielfältige Möglichkeiten. Bei der Entscheidungsfindung welche Vorgehensweise die richtige ist, stehen folgende Fragen im Vordergrund: welches Engagement passt am besten zum Kerngeschäft und den strategischen Zielen des Unternehmens, wie sicher ist die tatsächliche Lieferung der Zertifikate aus den jeweiligen Projekten zu den definierten Terminen und welche übergeordneten Motive sind sonst noch zu berücksichtigen, z.B. Nutzung des Projektmodells im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit. Im Hinblick auf eine Diversifizierung und Risikostreuung kann eine Mischung der vorgestellten Varianten vorteilhaft sein. Dies bedingt eine detaillierte Analyse der Optionen sowie eine Gegenüberstellung mit den Unternehmenszielen.
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